06.03. – 18.04.2015

MARTHA

JUNGWIRTH

Malerei

Die Bilder von Martha Jungwirth (*1940) sind kraftvoll, explosiv, aufregend, sinnlich, emotional, und manchmal auch still und zart: Lose Linien und sich verdichtende pastose, bisweilen aber auch transparente Flecken und Felder von Ölfarbe auf Karton. In den 1960er Jahren ist die Malerei Jungwirths noch stärker am Konkreten und der Wirklichkeit orientiert. In ihren Arbeiten tauchen Alltagsgegenstände, Landschaften oder das Selbst noch deutlich zu Tage. 1968 hat Jungwirth ihren ersten großen Auftritt, als sie zusammen mit fünf Maler-Kollegen in der legendären, von Otto Breicha kuratierten Ausstellung „Wirklichkeiten“ in der Wiener Secession ihre Werke zeigt.

Abgesehen von der Zusammenarbeit mit dieser losen Gruppe beschreitet Martha Jungwirth ihre eigenen Wege in der österreichischen Kunstszene unbeirrt von internationalen Strömungen und dem Kunstmarkt. 1977 wird sie zur Kasseler documenta eingeladen, sie hat Ausstellungsbeteiligungen in kleineren Museen und das Klosterneuburger Essl Museum kauft und zeigt ab und zu ihre Werke. Doch trotz der konstanten, überzeugenden Qualität ihrer Bilder bleibt eine große Überblicksschau in einem bedeutenden Museum aus. Als der bekannte Künstler Albert Oehlen 2010 gebeten wird, eine Ausstellung aus dem Beständen des Essl Museums zu kuratieren, entdeckt er Jungwirths Malerei und widmet ihr gleich einen ganzen Saal. Vielleicht ist es auch dem jüngeren Maler zu verdanken, dass ihr nun endlich die mehr als gerechtfertigte institutionelle Aufmerksamkeit gewidmet wird. So zeigt die Kunsthalle Krems im letzten Jahr, begleitet von einer umfassenden Monographie, eine Retrospektive mit Werkgruppen aus fünf Jahrzehnten mit etwa 130 Bildern. Im Laufe der Jahre wird Jungwirths Malerei zunehmend abstrakter, expressiver, das Kolorit intensiver. Für Jungwirth steht die Wiedergabe des Konkreten keines¬wegs im Vordergrund, so meinen wir nur vereinzelt Dinghaftes erkennen zu können. Die Formen sind spontan und mit zügigem Pinselschwung gemalt, denn sie dokumentieren neben der sichtbaren Welt eine flüchtige innere Regung. Das Kolorit gewinnt im Vergleich zu den frühen Jahren immer mehr als Ausdruck eines Gefühls oder einer Stimmung an Bedeutung. Dabei spürt sie der zuvor erlebten Atmosphäre oder Erinnerung nach und verewigt sie in ihren Bildern. Jungwirths unverwechselbarer gestischer Duktus, ihr faszinierendes Gespür für Form und Komposition, aber vor allem anderen die kraftvollen Farben, durch die ihre nahezu unerschöpfliche Energie spricht, lassen die bisweilen höchst dramatischen Bilder zu sehr persönlichen und poetischen Äußerungen werden.

Katalog zur Ausstellung

Galerie

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