1941 Stuttgart – 1970 Beilstein

Uwe Lausen beendete mit nur 29 Jahren sein Leben. Ohne je eine Akademie besucht zu haben, schuf er in acht Jahren ein ungewöhnlich einprägsames künstlerisches Werk, das durch brillante malerische Intensität besticht. Sein politischer und im Ausdruck meist destruktiver Themenkanon spiegelt ebenso die gesellschaftlichen und künstlerischen Tendenzen der 1960er Jahre wie Lausens alltäglichen inneren Kampf. Sein Leben war von hartem Drogenkonsum und extremen Hochs und Tiefs gekennzeichnet. Mit seinen Ängsten und Depressionen setzte Lausen sich nicht nur in Gemälden, Zeichnungen und Grafiken, sondern auch in Texten und Musik auseinander. Der Künstler reagierte hochsensibel und intelligent auf die gesellschaftlichen und politischen Umbrüche der 1960er Jahre in Deutschland.

Uwe Lausen wächst im Nachkriegsdeutschland auf. Bis zum Abitur und der Einschreibung zum Jura- und Philosophiestudium in Tübingen verläuft sein Leben ohne Brüche. Auf einer Afrikareise kommt er mit Drogen in Kontakt, die fortan sein Leben prägen. Seine Skepsis gegenüber den Leistungs- und Arbeitsidealen der Wirtschaftswunderwelt tritt bereits in Texten für eine selbstgegründete Literaturzeitschrift zutage. Lausen bricht sein Studium ab, geht nach München und trifft dort Künstler der Gruppe SPUR (unter anderem Heimrad Prem, H. P. Zimmer, Helmut Sturm). Er knüpft Kontakt zu der von Paris aus agierenden Situationistischen Internationale (S.I.), die in den frühen 1960er Jahren eine der interessantesten und schlagkräftigsten Debatten über die europäische Moderne führt. Lausens frühe Werke reflektieren diese Diskussion. Einflüsse des Abstrakten Expressionismus, der Art Brut sowie der auf Spontaneität, Geste und Expressivität setzenden Gruppe CoBrA sind evident. Seit etwa 1964 setzt Lausen Fotos, Magazinbilder, wissenschaftliche Illustrationen oder Zitate anderer Künstler ins Bild. Die für sich sprechenden Vorlagen verlieren im malerischen Prozess ihre Gegenständlichkeit. Um 1965 verschwindet der freie Gestus aus Lausens Bildern. Er malt von der Pop Art inspirierte Comic-Szenen mit scharfkonturierten Formen sowie einige sehr reduzierte Werke mit wenigen, verloren wirkenden Gegenständen. Sie spiegeln menschliche Beziehungen, Stimmungen und sicher auch Lausens Gefühl der Einsamkeit und Isolation. Seine Themen werden immer radikaler, teilweise brutal: Krieg, Terror, Gewalt. Er experimentiert mit Musik. 1969 hört Lausen auf zu malen. Er ist zu Besuch bei seinen Eltern, als er eine Überdosis LSD nimmt und sich die Pulsadern aufschneidet. Ein Genie, das mit dem Leben nicht fertig wurde.

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Uwe Lausen in der Schirn Kunsthalle Frankfurt