1930 Erlbach – 2013 Düsseldorf

Gotthard Graubners Thema sind die Farben. Seine Kunst entfaltet sich aus der Erforschung ihrer Körperlichkeit, ihrer Pigmente sowie ihrer suggestiven und emotionalen Wirkung. Neugierde auf den Eigensinn und das Eigenleben der Farbe sind der Grund, dass Graubner seinen vor über 40 Jahren eingeschlagenen Weg konsequent beschreitet. Heute nimmt er innerhalb der deutschen Kunst nach 1945 eine eigene feste Position ein. Mit seinen teils monumentalen Farbraumkörpern verschiebt Graubner die Grenzen der Malerei. Er erweitert ihren Ausdruck ins Dreidimensionale.

Graubner durchläuft ab 1947 eine klassisch akademische Kunstausbildung an den Hochschulen in Berlin und Dresden. In einem Klima, in dem die Avantgarde Anfang der 1950er Jahre die konkreten Bildelemente Fläche, Linie, Volumen, Raum und Farbe als Bild-„inhalte“ entdeckt und beginnt, diese selbst als Kunstwerke darzustellen, arbeitet Gotthard Graubner zunächst gegenständlich. 1954 verlässt er die DDR und führt sein Studium an der Düsseldorfer Akademie fort. In Aquarellen und Gemälden besinnt er sich auf die Ursprünglichkeit der Farbe und erprobt in geometrischen Formen die räumliche Wirkung ihres Auftrags. Anstelle von Pinseln experimentiert er mit Schwämmen und Tampons, die die einzelnen Farbschichten besser aufnehmen und durchscheinen lassen. Dabei entdeckt er deren eigene künstlerische Qualität. Sie selbst werden zum Bildobjekt, zum Kunstwerk. Daraufhin montiert er seine Arbeitsmittel als bildgroße Kissen ins Bild. Die ersten Farbleiber, später Kissenbilder entstehen. Später überspannt er sie mit Perlongewebe. Zwischen 1968 und 1972 schafft er seine Nebelräume. Im Trend der Avantgarde erprobt er hier, wie das Kunstwerk den gesamten Raum für sich vereinnahmt und sich dabei gleichzeitig entmaterialisiert. Um 1970 findet Graubner zu seiner eigentlichen Kunstform, den Farbraumkörpern. Schon der Begriff skizziert das Zusammentreffen der Unmessbarkeit der Farbräume und der Endlichkeit des Körperlichen. Auf die Leinwand schichtet Graubner zahlreiche Zellstoff-, Synthetik- und Schaumstofflagen, die sich mit Farbe bis zu einem Grad der Sättigung vollsaugen können, wie es auf dem Papier nicht möglich ist. Die Farbe kann sich entsprechend seiner gestischen Malweise optimal entfalten. Ein meditatives Element ist dabei unverkennbar. Parallel zu den Bildern entstehen seit 1956 Arbeiten auf Papier.

Graubner lehrt von 1965 bis 1969 Malerei an der Kunsthochschule in Hamburg, von 1976 bis 1996 an der Kunstakademie Düsseldorf. Diese ernennt ihn 2009 zum Ehrenmitglied. Auf der Museumsinsel Hombroich hat er auch Ausstellungen kuratiert. Die ungewöhnlichen Gegenüberstellungen alter asiatischer (unter anderem der Khmer) mit moderner europäischer Kunst ermöglichen dem Betrachter ganz neue, unwissenschaftliche Einsichten in das Wesen der Kunst.

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